Flucht und Deportation Wien – Prag – Lodz
Jüdische Biografien zwischen Österreich und der Tschechischen Republik nachgezeichnet anhand der Wiener und Prager Postkarten aus dem Getto Litzmannstadt.

Das Projektvorhaben baut auf rezenter Forschung von Angelika Brechelmacher und Regina Wonisch zu Postkarten aus dem Getto Litzmannstadt auf. Historische Quelle ist ein Fundus von insgesamt etwa 6.000 Postkarten im Łódźer Staatsarchiv, verfasst von Menschen, die im Herbst 1941 unter dem nationalsozialistischen Regime aus Wien und Prag ins Getto Litzmannstadt in Łódź, Polen, deportiert worden waren. Erstmalig führten wir 2014 bis 2016 im Rahmen eines internationalen EU-Projektes wissenschaftliche Untersuchungen zu den bis dahin nicht erschlossenen „Wiener“ Postkarten aus dem Getto Litzmannstadt durch.  In unserem neuen Projektvorhaben möchten wir uns vor allem den „Prager“ Postkarten widmen, also jenen Karten, die jüdische Frauen, Männer und Kinder an ihre Angehörigen verfasst hatten, nachdem sie mit den sogenannten fünf Prager Transporten ins Getto Litzmannstadt deportiert worden waren.

In den Postkarten der „Wiener Transporte“ fanden sich zahlreiche Hinweise auf die regen Beziehungen zwischen den beiden Städten Wien und Prag. Daher erscheint es  uns auch aus österreichischer Perspektive lohnend, unsere Forschungen auf jene rund 3.000 Postkarten, die von Jüdinnen und Juden der „Prager Transporte“ verfasst und bisher nicht erforscht wurden, zu erweitern. Unter den rund 5.000 Deportierten aus Prag befanden sich auch zahlreiche Flüchtlinge aus Wien. Umgekehrt waren viele Menschen tschechischer Herkunft in den Wiener Transporten. Den sozialen Kontakten und Vernetzungen zwischen „WienerInnen“ und „PragerInnen“ im Getto Litzmannstadt und vor allem biografischen Spuren zwischen Wien, Prag und Łódź soll im beantragten Projekt auf Basis der „Prager Postkarten“ im Archiwum Państwowe w Łodzi (APL) in Polen nachgegangen werden.

Projektteam: Angelika Brechelmacher / Regina Wonisch